Arzteblatt – Kokain: Suchtverhalten mit Laserstrahlen gestoppt

Arzteblatt – Kokain: Suchtverhalten mit Laserstrahlen gestoppt

Baltimore – US-Forscher wollen die Kokain-Sucht durch eine gezielte Hirnstimulation heilen. In Nature (2013; doi: 10.1038/nature12024) zeigen sie an Ratten, dass die Steigerung der Hirnaktivität in bestimmten Neuronen des prälimbischen Cortex das Suchtverhalten stoppen kann. Jetzt ist eine klinische Studie an Kokain-Süchtigen geplant.

Der Kontrollverlust, der ein Zeichen der Drogensucht ist, wurde früher auf eine Störung im Belohnungssystem des Gehirns zurückgeführt. Neuere Untersuchungen haben bei den Abhängigen aber auch eine Funktionsstörung in präfrontalen Regionen des Cortex nachgewiesen, in denen die exekutiven Funktionen beheimatet sind.

Mit der Optogenetik, einer relativ neuen Technik, die Hirnzellen durch Lichtreize aktiviert, haben Antonello Bonci vom US-National Institute on Drug Abuse in Baltimore und Mitarbeiter die Hypothese jetzt erstmals im Tierversuch untersucht. Das Team verwendete Ratten, die durch die freie Gabe von Kokain in eine starke Abhängigkeit geraten: Am Ende können selbst Stromstöße sie nicht mehr vom Konsum abhalten. Bonci sieht darin eine Verbindung zur Kokainsucht beim Menschen, die viele Abhängige Straftaten begehen lässt, um in den Besitz des starken Stimulans zu gelangen.

Zunächst kann Bonci zeigen, dass die Kokainsucht bei Mäusen zu einer verminderten Erregbarkeit von Pyramidenzellen in tieferen Schichten des prälimbischen Cortex führt. In diese Regionen injizierten die Forscher dann in einem weiteren Experiment ein Adenovirus. Es infizierte die Hirnzellen und legte in ihnen ein Gen ab, in dem Rhodopsin mit einem Membrankanal gekoppelt ist. Danach konnten die Forscher nach dem Prinzip der Optogenetik die Hirnzellen mittels eines Laserstrahls gezielt anstellen.

Wurde das Licht gelöscht, fielen die Zellen in ihre frühere Inaktivität zurück. Die Forscher konnten auf diese Weise tatsächlich das Suchtverhalten der Tiere mittels Laserlicht steuern: Nach dem Einschalten ließen die Tiere die Pfoten von den Tasten, die ihnen Drogen und Stromschläge versetzten. Wurde das Licht ausgestellt, setzte das Suchtverhalten wieder ein. In einem zweiten Experiment konnten die Forscher die Drogensucht durch die optogenetische Inhibition des prälimbischen Cortex induzieren.

Die Anwendung der Optogenetik verbietet sich beim Menschen aus ethischen Gründen. Bonci hofft jedoch einen ähnlichen Effekt mittels der transkraniellen Magnetstimulation erzielen zu können. Bei dieser Methode werden Hirnzellen durch starke Magnetfelder aktiviert. Die Magnetfelder werden in einer Spule erzeugt, die über dem Schädel des Probanden platziert wird.

Die Behandlung ist nicht-invasiv. Sie wird derzeit auch zur Behandlung von anderen psychiatrischen Störungen erprobt. Bonci plant jetzt eine klinische Studie bei Kokainabhängigen. Einzelheiten werden allerdings nicht genannt. © rme/aerzteblatt.de

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